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Brennpunkt >> Montag, 01. Dezember 08REDAKTIONSROULETTE PNP-Betriebsrat: „Es ist zum Weinen“
Die Fronten zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung bei der Passauer Neue Presse haben sich heute Vormittag verhärtet. Weil Boulevard-Chef Michael Koch trotz Einspruch des Betriebsrates seinen Dienst in der Lokalredaktion Passau antrat, wurde der Bayerische Journalistenverband eingeschaltet, um eine gerichtliche Entscheidung herbeizuführen. Am Nachmittag zeichnete sich eine Verständigung ab - zeigt das kämpferische Vorgehen der Mitarbeitervertretung und der Druck der Öffentlichkeit vielleicht Wirkung? Den betroffenen Passauer Redakteuren sollen neue Arbeitsplätze in anderen Redaktionen angeboten werden. Es fielen Pocking und Grafenau. Der neue Redaktionsleiter Koch und seine Mannschaft werden im Online-Auftritt schon vorgestellt. In einem Interview mit Bürgerblick und dem Bayerischen Rundfunk zeichnete Betriebsratsvorsitzender Reinhard Wilhelm ein dramatisches Bild von der Situation im Verlagshaus. Schon die Teilnahme an einer Betriebsversammlung werde für manche Mitarbeiter zur Mutprobe, gerade bei großen Entscheidungen würden Mitbestimmungsrechte missachtet, das Haus sei „unberechenbar“ geworden. Die Redakteure fühlten sich in den letzten Tagen auch von der Chefredaktion im Stich gelassen. Wilhelm wörtlich: „Es ist zum Weinen.“ Gespräch mit PNP-Betriebsratsvorsitzenden Reinhard Wilhelm. 1 min. / Bürgerblick TV/ Interviewerin: Heidi Wolf (BR) - Langfassung siehe unten. Kommentar Die sogenannte innere Pressefreiheit, die freie Entscheidung der Chefredakteure über Personal und Inhalt der Zeitung, ist die unabdingbare Voraussetzung dafür, dass in unserem Lande die im Grundgesetz verankerte Pressefreiheit garantiert wird. Leider sind sich moderne Verleger immer weniger dieser gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Statt eine unerschütterliche Plattform für kritischen Journalismus und freie Meinungsäußerung zu liefern, sehen sie ihr Medienunternehmen mehr denn je als Gelddruckmaschine. Unter diesen Vorzeichen werden Journalisten freies Verfügungsmaterial, das für wenig Lohn den Platz zwischen der Werbung füllen soll. Sinken Qualität und Leserzahlen, werden wiederum die geprügelt, die man beschnitten hat – die Redaktionen. Speziell zum Thema PNP: Wenn eine junge Verlegerin ihren Journalisten angeblich mangelnde Leistung vorwirft, dann stellt sie sich mit ihrer Pressearbeit selbst das schlechteste Zeugnis aus. In einem offenbar grenzenlosen Machtgefühl sieht sie sich bis heute nicht veranlasst, Stellungnahmen über die ungewöhnlichen Vorgänge im Haus abzugeben. Der PNP-Gründer Dr. Hans Kapfinger (1902 bis 1985) hatte als Verleger sicher Ecken und Kanten, aber er blieb wenigstens im Herzen immer ein Journalist. Für investigative Geschichten zahlte er seinen Redakteuren Prämien; jetzt sitzt auf seinem Sessel die Stiefenkelin, eine juristisch gebildete Erbin. Ohne klare Ansagen und Erklärungen über das merkwürdige Vorgehen werden die Redakteure noch mehr verunsichert und die „Schere im Kopf“ geschärft - die schlechteste Voraussetzung, um ein gutes Blatt zu machen, das die Leser zur Lektüre reizt. Hubert Jakob Denk ________________________ Interview Langfassung 6 Min.
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