Fr, 30. Jul 2010

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Nadelstreifenanzug statt Uniform: Alois Mannichl ist heute Kripochef von Niederbayern. (Photo: Tobias Köhler/ mediendenk)
"EINSCHüCHTERUNGSVERSUCH"

Mannichl geht per Rechtsanwalt gegen Chefermittler vor

Passau – Der Streit zwischen Chefermittler und Opfer droht im Fall Mannichl zu eskalieren. Nachdem die Staatsanwaltschaft öffentlich neue Sticheleien gegen den ehemaligen Passauer Polizeichef Alois Manichl setzt, schaltete dieser einen Rechtsanwalt ein, um dagegen vorzugehen. Dies berichtete Mannichl heute vormittag dem Lokalmagazin Bürgerblick.

In einem Interview mit der „BILD am Sonntag“ hatte sich Mannichl gegen öffentliche Anschuldigungen des Leitenden Oberstaatsanwalts Helmut Walch im „Bayerischer Rundfunk“ gewehrt, er hätte als Opfer und erfahrener Polizeibeamter selbst daran denken können, dass DNA-Spuren unter seinen Fingernägeln genommen werden. Dieses Versäumnis zählt zu den gravierendsten Ermittlungspannen im Fall Mannichl, zumal nach dessen Aussagen „gute Chancen“ bestanden hätten, etwas zu finden: Er habe den Arm des Täter mit beiden Händen gepackt und festgehalten.

In der Hektik, dem enormen Druck und der ungewöhnlichen Konstellation – das Verbrechensopfer war der eigene Chef – hatten die Kripobeamten diese erkennungsdienstliche Behandlung vergessen, auch der Chefermittler hatte nicht nachgefasst. Mannichl lässt die Vorwürfe an seine Adresse nicht gelten: Zwischen Messerstich und Not-OP hätten ihn andere Gedanken beschäftigt, vor allem die Sorge um seine Familie. Sein Rechtsanwalt nennt das Ansinnen des Staatsanwalts „lebensfremd“.

Nach diesem Schlagabtausch sah sich der Chefermittler an den „Opferschutz“ nicht mehr gebunden und kritisiert erstmals auf „Stern online“: Mannichl habe sich bei den Vernehmungen in Widersprüche verstrickt, etwa bei der Erklärung, wie die Tatwaffe, ein Brotzeitmesser aus dem Haushalt, auf ein Fensterbrett des Hauses gelangen konnte. Von dort hatte es sich der spätere Täter offenbar geholt.

Walch erklärte andererseits, dass solche Abweichungen bei Zeugenaussagen nichts Ungewöhnliches seien. „Auswendig gelernte Schilderungen“, die sich stets gleichen, würden eher zu Skepsis führen. Zum Zeugen Mannichl betont er: „Das ändert nichts an seiner Glaubwürdigkeit“.

Mannichl, dem zum niederbayerischen Kripochef beförderten Beamten, wird es nun offenbar zu bunt: „Ich sehe das als Einschüchterungsversuch, damit in meinem Fall nicht noch mehr und viel schlimmere Ermittlungspannen bekannt werden“, sagte er heute. Er habe einen Rechtsanwalt beauftragt, zu prüfen, wie er dagegen vorgehen kann, sagte der dem Lokalmagazin Bürgerblick.

Sein Rechtsanwalt erklärte, dass er morgen beim Passauer Chefermittler „auf der Matte stehen“ werde, um ein klärendes Gespräch zu führen. „Diese Art der Behandlung muss sich mein Mandant nicht gefallen lassen“. Wie er rechtlich reagieren werde, wolle er noch nicht sagen.

 
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