Der Bohlen- und Publikumsliebling aus alten DSDS-Tagen hat sich in Bodemais verliebt. Wohlgemerkt in den Ort. Das muss betont werden, um Gerüchten vorzubeugen. Denn bekanntlich trat dort Deutschlands jüngster Bürgermeister an, Michael Adam, Sozialdemokrat, Protestant und bekennend schwul. Küblböck ist bekanntlich auch feschen Männern nicht abgeneigt.
Da haben sich also zwei gefunden, die sich gegenseitig hochschieben. Mit Daniel Küblböck als prominentes Aushängeschild kracht in Bodenmais die Bude. Der Sänger, der seine musikalische Heimat zwischen Blues und Jazz gefunden hat, begleitet Skikurse, tanzt im Dorfstadl und wirft die Feste. "Beim Fasching vor einem Jahr habe ich ihn das erste Mal eingeladen, trotz miesen Regenwetters war der Marktplatz voll und die Stimmung gigantisch", erzählt Adam. Dass der schräge Sänger polarisiert, stört ihn nicht.
Umgekehrt erlebt Küblböck in dem abgelegenen Luftkurort einen Medienrummel wie zu besten Superstar-Zeiten: Er hat gerade den Bodenmaisern ein bayerisches Country-Lied komponiert. Zur Premiere war im Dorfstadl volles Haus. Journalisten aus ganz Deutschland waren angereist.
Später, als die Kamerateams längst abgezogen sind, wirbelt ein durchgeschwitzter Küblböck noch immer übers Parkett. Der DJ ruft „Damenwahl!“ aus. Da lassen sich die reifen Tourstinnen aus Kassel und Castrop-Rauxel nicht zweimal bitten.
Der 24-jährige beweist Kondition. Ein schneller Schluck aus der Maß. Zurück auf die Tanzfläche und Zugabe der Bodenmais-Hymne. Live und a capella. Nichts von dem Gequäke von früher, satter Männerbariton: „Mochts eich auf nach Bayern, mochts eich auf nach Bodenmais …“.
Unter der Diskokugel dreht sich nicht weniger gekonnt ein schlanker, junger Jeans-Typ mit einer Mittvierzigerin aus Hessen zur bayerischen Polka. Er ist der Lebensgefährte des Bürgermeisters. "Tanzen kann mein Schatz nicht, das übernehme dann immer ich", erzählt er später lachend bei einer Zigarettenpause. Der Bürgermeister ruft seinen Freund mit Spitznamen "Burschi". Damit wäre geklärt, dass zwischen dem Gemeindeoberhaupt und dem Sänger "nichts läuft".
"Das hättet ihr wohl gerne als Schlagzeile?", scherzt Küblböck mit einem Reporter. Dann wirft er sich fürs Foto doch an den Adam heran. Unsympathisch finden sich die beiden sicher nicht. Wenn´s der Werbung für Bodenmais dient, wird für die Kamera auch kurz geturtelt.
Wowereit regiert das dicke „B“ an der Spree, Adam hat das dickere „B“ in Bayern. Wirtschaftlich gesehen. Wahrscheinlich würde Wowi gerne tauschen. Allein beim Blick auf die Tourismuszahlen müsste er erblassen vor Neid. In Bodenmais leben zur Hochsaison doppelt so viele Feriengäste als Einwohner. 3.400 Bodenmaiser und 7.000 Gästebetten. 850.000 Übernachtungen übers Jahr, was für ein Touristenmagnet! Küblböck, so hat Adam schon gemerkt, gibt dem Ganzen nochmals einen Kick.
Berlin, 1.000mal so groß wie Bodenmais, müsste 850 Millionen Übernachtungen vorweisen können, um da mitzuhalten. Es sind gerade 18 Millionen.