Passau/ Regensburg/ Wels - „Möbelkonzern darf uns den Mund nicht verbieten!“, freut sich heute der Oberpfälzer Online-Dienst „Regensburg digital“. In Sorge um ihr Image hat die weltweit zweitgrößte Möbelkette XXXLutz kritische Veröffentlichungen erfolglos abgemahnt.
„Die mit dem rüden Stil“, prangerte auch das Lokalmagazin Bürgerblick die Personalpolitik der oberösterreichischen Möbelmillionäre an. Über die kostenpflichtigen Abmahnungen gegen Bürgerblick verhandelt am 10. März das Landgericht Passau.
In Regensburg erlitt XXXLutz diese Woche eine herbe Niederlage. „Im Verkauf bei XXXL Hiendl Passau wurde die Quote der Vollzeitbeschäftigten auf unter 30 Prozent reduziert.“ Diese Tatsache dürfen Medien nun weiterhin berichten. Gegen die kostenpflichtige Abmahnung hat der Regensburger Journalist Stefan Aigner erfolgreich geklagt.
Das Möbelhaus wird von der Münchner Kanzlei „Nörr Stiefenhofer Lutz“ vertreten. Die Kosten des Rechtsstreits (Streitwert: 75.000 Euro) müssen nun die verschiedenen Gesellschaften der Passauer XXXLutz-Niederlassung tragen. Ob XXXLutz in Berufung geht, ist noch nicht bekannt.
Die Kanzlei „Nörr Stiefenhofer Lutz“ vertritt nicht nur den Möbelgiganten, sie ist auch die Hauskanzlei der Passauer Neuen Presse. Ein Mitglied der Sozietät sitzt an der Spitze des Zeitungsverlags: Marco Tucci. Er ist der Gatte der Verlegerin Simone Tucci-Diekmann.
Mit einem hohen Streitwert von 125.000 Euro hat diese Kanzlei versucht den Bürgerblick einzuschüchtern. Die sinkende Quote der Vollzeitbeschäftigung, die schlechten Arbeits- und Lohnbedingungen - all das soll nicht mehr verbreitet werden.
Bei der Passauer Neuen Presse hat eine wohlwollende Berichterstattung über den potenten Anzeigenkunden augenscheinlich eingesetzt. Während sich im Mai 2009 ein kritischer Bericht noch damit auseinandersetzt, dass die XXXLutz-Chefs den Mitarbeitern bei Vertragsverhandlungen das Messer auf die Brust setzen und mit Schließung des Hauses drohen, werden die PNP-Leser seit Ende letzten Jahres nur mehr darüber informiert, wie erfolgreich und wohltätig der Möbelriese ist.
Beispiele:
- November 2009. Als XXXLutz in Passau seine neue Lanze gegen Weltmarktführer Ikea bricht, den Mitnahmemarkt Mömax eröffnet, berichtete die PNP mehrmals begeistert vom Ansturm, den überfüllten Parkplatz und dem „blühenden Geschäft“. Wortwörtlich heißt es im Bericht, der kostenpflichtig im redaktionellen (!) Archiv abrufbar ist: „Die neuesten Trends zu den besten Preisen...das „Mömax-Credo hält auch in Passau Einzug...kommen Sie zur Neueröffnung...“
- Am 9. Januar 2010 überschüttet die PNP den Konzern, den Kritiker eine „Heuschrecke“ nennen, mit Lorbeeren: „Vom Hinterhofladen zur Nummer zwei auf der Welt“, heißt es in der "Heimatwirtschaft".
- Im Februar 2010 findet sich diese Überschrift: „XXXL – Finanzspritzen für zwei Passauer Grundschulen“.
Ob PNP-Redakteure die Freiheit haben, über den Passauer Parallel-Prozess "Möbelgigant gegen Pressefreiheit" zu berichten, wird sich nächste Woche zeigen. Der Landgerichtstermin: Mittwoch, 10. März, 9 Uhr, Saal 16.