Eine Rücktrittswelle schwappt durchs Land. Aber sind die reuigen Sünder auch die richtigen?
Eine Bischöfin macht den Anfang. Mit Alkohol am Steuer hat sie eine rote Ampel überfahren. Wäre der moderne Medienpranger nicht, es hätte diesen Rücktritt nicht gebraucht. Weil ihr kompromissloses Handeln Respekt verdient, kommt sie damit auf die Titelseiten. Eine reuige Sünderin wird zum Vorbild.
Die Häme mancher Katholiken über die gefallene Bischöfin ist noch nicht verstummt, da folgt das Entsetzen in den eigenen Reihen.
Der Ruf nach Inquisition hinter Internatsmauern. Unschuldige Seelen missbraucht und geschunden, Kinderpornos im Kloster. Die Täter konnten über all die Jahre abtauchen, weil die Kirche diese Verbrechen „intern“ behandelte. Versetzung statt Verurteilung. Die geistliche Obrigkeit, diese Anmaßung ist der eigentliche Skandal, schützt bis heute Kriminelle in Kutte oder Sutane vor dem Zugriff des weltlichen Gerichts.
Frage an meinen Religionslehrer: Wäre eine Strafe hinter Gittern nicht die glaubwürdige Buße gewesen, um Gnade beim jüngsten Gericht zu erlangen? Ich befürchte, diese Gottesprediger glauben selbst nicht an die Hölle im Jenseits, mit der sie uns katholisch machen wollen.
Die ersten Ordensvertreter treten zurück. Denn jeden Tag werden neue Türen zur Finsternis der heiligen Kirche aufgestoßen. Medienberichte ermuntern immer mehr Männer jenseits der 50, sich bei den Ermittlungsbehörden zu melden. Sie berichten, was ihnen als Kind in Internats- und Klosterschulen widerfahren ist. Sexueller Missbrauch und Prügelstrafe an Schutzbefohlenen kleben plötzlich wie das Blut Christi an den Kreuzen der Kirche. Politik und Justiz diskutieren nun, ob solche Delikte überhaupt verjähren dürfen.
Wären die Täter beizeiten vor ein weltliches Gericht gekommen, hätten uns Gutachter vielleicht längst darüber Auskunft geben können: Zölibat, Zucht und Zwang zur Keuschheit – sind das mögliche Antriebsfedern, die Menschen zu Sadisten, zu perversen Kinderschändern machen?
Zurück in die freie Welt.
Ein falscher Mönch tritt zurück. Der Kabarettist vom Nockherberg. Er soll sich an der Politik versündigt haben. Leistungsträger-Anführer Westerwelle, wir drehen seine Parole zum besseren Verständnis mal um, ist der Meinung, dass Armut nur den trifft, der faul ist. Den Starkbier-Prediger erzürnt das: Da könne man gleich die Bedürftigen in ein Lager hinter Stacheldraht sperren, mit der Aufschrift am Tor „Leistung muss sich lohnen!“.
Die Sprecherin der Juden übt sich sofort in Betroffenheit. Ein unerhörter KZ-Vergleich! Als ob es auf dieser Welt keine anderen Mauern mit Stacheldraht gäbe. Die Politikern stimmen heuchlerisch ein in diese Schelte: Endlich können sie ein Lästermaul stopfen, das böse Kabarett in die Schranken weisen.
Die Bischöfin und der falsche Mönch. Sie traten ab wegen einer Bagatelle.
Aber wie sieht´s mit dem gelben Lästermaul gegen die Armen und dem Kirchenfürsten in Rom aus, dessen Institution Kriminelle deckt? Bis heute keine Reue, nicht einmal eine Entschuldigung.
„Wir sind Papst“, hofierte die BILD-Zeitung einst unseren Hochmut. Falsch. Wir sind Sünder.
hud
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"Der Geheimhaltungsbefehl von 2001": Ein katholischer Kirchenrechtler übersetzt und erklärt das in Latein geschriebene, römische Dokument.
Päpstlicher Hirtenbrief zu den Missbrauchsfällen in Irland soll Mitte März erscheinen.