Passau - Er leitete jahrelang das kostenlose Boulevardblatt Am Sonntag, zeitweise im Spagat mit der Lokalredaktion der PNP. Hier der Stürmer, dort der Verteidiger, mal Springer, mal Feuerwehrmann. Der 47-jährige Chefredakteur Michael Koch hat jetzt seinem Heimatverlag den Rücken gekehrt und ist auf eigenen Wunsch ausgeschieden.
"Die Trennung erfolgte in äußerst freundlicher Atmosphäre und mit fairen Konditionen", will Koch betont wissen. Am vorigen Donnerstag räumte er seinen Schreibtisch in der Online-Redaktion, die er zuletzt als Chefredakter leitete."Erst mal durchatmen", hat er sich vorgenommen. Bis Ende des Jahres, so ist aus dem Hause zu vernehmen, darf er sich als bezahlter Spaziergänger fühlen.
Koch hat journalistische Knochenarbeit hinter sich. Vier Jahre fast ohne einen Tag Urlaub; in den neun Monaten, als er verantwortlich für zwei Blätter zeichnete, hieß es oft samstags die AS zum Endschliff bringen und sonntags die Themen neu gestalten für die Montagsausgabe der PNP.
Der Passauer Michael Koch, der mit 20 bei der PNP begann und eine Karriereschleife bei der Bildzeitung einlegte, hat nun in allen Printorganen des Medienimperiums der Familie Diekmann gedient: fast zehn Jahre lang beim Wochenblatt, knapp vier Jahre beim Sonntagsblatt, beim Mutterblatt sowieso, für dessen Onlineauftritt er zuletzt verantwortlich zeichnete. Die umfassende Neugestaltung, die dort geplant ist, wird er selbst nicht mehr erleben.
Als Verfechter des kleinen Formats und der großen Schlagzeilen hatte er bei Kollegen der Heimatgarde nicht immer den besten Stand. Spätestens dann nicht mehr, als er im Auftrag der Verlegerin den lang gedienten Lokalchef Helmuth Rücker ablöste, der kurz darauf öffentlich Lorbeeren bekam.
Was hat Koch künftig vor? Alte Kontakte ausloten, vielleicht die Heimat verlassen, er weiß es noch nicht. Das Jahr sei noch lang.